Pectoralis-Major-Reparatur: Was Patienten wissen müssen

Pectoralis Major-Verletzungen passieren oft beim Bankdrücken oder Kontaktsport. Wenn diese große Brustsehne reißt, ist meist eine Operation – die Pectoralis Major-Reparatur – nötig, um Armbewegung und Oberkörperkraft wiederherzustellen. Dieser Artikel erklärt dir alles Wichtige, damit du optimal vorbereitet bist.


Was ist der Pectoralis Major-Muskel und warum reißt er?

Der Pectoralis Major – oft einfach "Pec" genannt – ist ein fächerförmiger Muskel, der deine Brust bedeckt. Er ist entscheidend für Bewegungen wie das Heranführen des Arms an den Körper (Adduktion), das Drehen des Arms nach innen (Innenrotation) und das Anheben des Arms nach vorne (Flexion).

Er entspringt breitflächig vom Schlüsselbein (Klavikula), dem Brustbein (Sternum) und einigen Rippenknorpeln. Alle Fasern bündeln sich zu einer starken, flachen Sehne, die am Oberarmknochen (Humerus) ansetzt. Genau dieser Ansatzpunkt ist die häufigste Stelle für einen Sehnenriss.


Wie passiert so ein Pectoralis Major-Riss?

Ein Pectoralis Major-Riss ist meist eine akute, traumatische Verletzung, die auftritt, wenn eine extreme, plötzliche Kraft auf den bereits angespannten Muskel wirkt.

Häufigste Ursachen und Szenarien:

  • Bankdrücken (Bench Press): Dies ist die mit Abstand häufigste Ursache, oft wenn das Gewicht zu schwer ist oder eine unkontrollierte Bewegung in der exzentrischen (ablassenden) Phase gemacht wird. Der Riss passiert, wenn der Arm fast ausgestreckt ist und der Muskel maximal gedehnt wird.
  • Andere Kraftübungen: Auch beim Schrägbankdrücken oder Fliegenden kann es passieren, wenn die Belastung zu hoch ist.
  • Kontaktsportarten: Im Rugby, Football oder Wrestling kann der Riss durch einen direkten Schlag oder einen plötzlichen, erzwungenen Ruck am Arm bei gleichzeitiger Muskelanspannung entstehen.

Wenn die Kraft die Belastbarkeit der Sehne übersteigt, reißt sie – meist vollständig (komplette Ruptur) – vom Oberarmknochen ab. Das fühlt sich oft wie ein scharfer, stechender Schmerz an, gefolgt von einem hörbaren "Plopp" oder "Ratsch" und sofortigem Kraftverlust.


Diagnose: Wie stellt man den Riss fest?

Wenn du den Verdacht auf einen Pectoralis Major-Riss hast, ist schnelles Handeln wichtig. Die Diagnose erfolgt in der Regel in zwei Schritten:

1. Die Klinische Untersuchung:

Dein Arzt oder deine Ärztin wird zuerst die typischen Anzeichen suchen:

  • Asymmetrie: Direkt nach der Verletzung kann eine Delle in der Brust (dort, wo die Sehne abgerissen ist) sichtbar sein.
  • Hämatom und Schwellung: Eine ausgeprägte Verfärbung (blau/lila) und Schwellung im Bereich der Brust und des Oberarms.
  • Kraftprüfung: Du wirst gebeten, den Arm gegen Widerstand zur Körpermitte zu bewegen (Adduktion). Bei einem vollständigen Riss ist die Kraft stark reduziert.

2. Bildgebende Verfahren:

Um die Diagnose zu bestätigen und den genauen Umfang der Schädigung festzustellen, sind Bilder nötig:

  • Ultraschall: Kann oft schnell zeigen, ob die Sehne gerissen ist und wie weit sie sich zurückgezogen hat (Retraktion).
  • MRT (Magnetresonanztomografie): Dies ist der Goldstandard. Ein MRT liefert detaillierte Bilder des Weichteilgewebes, bestätigt den Riss, zeigt den genauen Ort (z.B. am Knochenansatz oder mittig in der Sehne) und wie viel Strecke zwischen dem Sehnenende und dem Knochen liegt. Die Retraktion ist entscheidend für die Planung der Pectoralis Major-Reparatur.

Der Schlüssel zur Heilung: Die Pectoralis Major-Reparatur

Die Operation ist bei den meisten Pectoralis Major-Rupturen die bevorzugte Behandlung, besonders bei aktiven Menschen, die ihre volle Kraft und Funktion zurückgewinnen wollen. Ziel ist es, die abgerissene Sehne stabil und anatomisch korrekt wieder am Oberarmknochen zu befestigen.

Der optimale Zeitpunkt ist entscheidend:

  • Frühe Operation (innerhalb der ersten 2-3 Wochen): Das ist optimal! In dieser Phase hat sich die Sehne noch nicht zu stark zurückgezogen und das Gewebe ist noch elastisch. Die Reparatur ist technisch einfacher, und die Ergebnisse sind nachweislich besser.
  • Verzögerte Operation (nach 6 Wochen): Ist immer noch möglich, aber aufwendiger. Die Sehne ist verkürzt und vernarbt, und es kann ein größerer Schnitt oder spezielle Techniken nötig sein, um die Sehne ohne zu viel Spannung wieder an den Knochen zu bringen. Manchmal muss ein Sehnenersatz (Graft) verwendet werden, was die Genesung komplexer macht.

Was passiert während der Operation?

  1. Zugang: Der Chirurg oder die Chirurgin macht einen Schnitt, meist in der Achselhöhle oder entlang der Brustfalte, um Narbenbildung zu minimieren.
  2. Sehnenmobilisierung: Die abgerissene Sehne wird vorsichtig gesucht und mobilisiert. Der Chirurg muss sie von Narbengewebe befreien und bis zu ihrem ursprünglichen Ansatzpunkt am Oberarmknochen vorziehen.
  3. Befestigung: Die Sehne wird mit speziellen Methoden am Knochen befestigt. Am häufigsten werden Fadenanker (Suture Anchors) verwendet. Das sind kleine Implantate, die im Knochen verankert werden und an denen stabile Fäden befestigt sind. Diese Fäden werden durch die Sehne geführt, festgezogen und verknotet, um die Sehne bombenfest an den Knochen zu drücken. Alternativ können auch Bohrlöcher durch den Knochen genutzt werden, um die Nähte zu verankern.
  4. Kontrolle: Die Stabilität der Reparatur wird geprüft, der Schnitt geschlossen und ein steriler Verband angelegt.

Der gesamte Eingriff dauert je nach Komplexität meist zwischen 1 und 2 Stunden und wird in der Regel unter Vollnarkose durchgeführt.


Die Lange Reise: Rehabilitation nach der Pectoralis Major-Reparatur

Die Operation ist nur der erste Schritt. Die Reha ist entscheidend für den Erfolg der Pectoralis Major-Reparatur. Rechne mit einem Weg von mindestens sechs Monaten, bevor du wieder voll Belasten kannst.

Phase 1: Schutz (Woche 0–6)

  • Ruhigstellung: Du trägst einen Gilchrist-Verband oder eine spezielle Schlinge, die den Arm nah am Körper hält. Dies ist extrem wichtig, um die Naht zu schützen.
  • Passives Bewegen: Nach etwa zwei Wochen beginnt die passive Physiotherapie. Das bedeutet, der Therapeut oder die Therapeutin bewegt deinen Arm vorsichtig in einem festgelegten Winkelbereich, ohne dass der Brustmuskel selbst arbeitet.
  • Ziel: Die Heilung der Sehne am Knochen ermöglichen und eine Versteifung des Gelenks verhindern.

Phase 2: Aktive Bewegung (Woche 6–12)

  • Aktive Bewegung: Du beginnst, den Arm selbst zu bewegen, ohne Widerstand.
  • Leichte Kräftigung: Sehr vorsichtige isometrische Übungen (Anspannen ohne Bewegung) für andere Muskelgruppen können starten.
  • Ziel: Die volle Bewegungsfreiheit des Schultergelenks wiederherstellen.

Phase 3: Kräftigungsphase (Monat 3–6)

  • Progressive Belastung: Jetzt geht es darum, die Kraft langsam aufzubauen. Du beginnst mit leichtem Widerstand (Therabänder, geringe Gewichte).
  • Funktionelles Training: Übungen, die deine Alltagsbewegungen und sportlichen Anforderungen simulieren.
  • Ziel: Die Kraft auf mindestens 80-90% der nicht verletzten Seite bringen.

Phase 4: Rückkehr zum Sport (Ab Monat 6)

  • Belastungstests: Du beginnst, spezifisches Training aufzunehmen, das deinen Sport simuliert (z.B. Liegestütze, spezifische Wurfbewegungen).
  • Bankdrücken: Darfst du meist frühestens nach 6 Monaten und nur mit sehr geringem Gewicht starten. Viele Chirurgen raten zu einer vollständigen Rückkehr zum maximalen Bankdrücken erst nach 9-12 Monaten. Es ist besser, langsam zu steigern, um eine Re-Ruptur zu verhindern.

Risiken und Komplikationen

Wie bei jeder Operation gibt es auch bei der Pectoralis Major-Reparatur potenzielle Risiken, über die du Bescheid wissen solltest:

  1. Re-Ruptur (erneuter Riss): Das größte Risiko, besonders wenn du dich zu früh oder zu stark belastest. Daher ist die konsequente Einhaltung des Reha-Plans essenziell.
  2. Infektion: Kann immer an der Wundstelle auftreten. Wird meist mit Antibiotika behandelt.
  3. Nervenschäden: Selten, aber möglich. Es kann zu Gefühlsstörungen im Bereich der Brust oder des Arms kommen.
  4. Versteifung (Frozen Shoulder): Kann passieren, wenn die passive und aktive Bewegung zu spät oder unzureichend begonnen wird.
  5. Kosmetische Auffälligkeiten: Trotz sorgfältiger Naht kann eine kleine Delle oder eine leichte Asymmetrie der Brustmuskulatur bestehen bleiben.

Langzeitprognose und Aussichten

Die Langzeitergebnisse der Pectoralis Major-Reparatur sind bei einer frühen Operation und konsequenter Reha sehr gut.

Die meisten Patienten, insbesondere Bodybuilder und Kraftsportler, erreichen eine nahezu vollständige Wiederherstellung der Funktion und können ihr gewohntes Training wieder aufnehmen. Studien zeigen, dass der größte Teil der Patienten (über 90%) mit dem Ergebnis zufrieden ist und zur vollen sportlichen Aktivität zurückkehrt. Es kann sein, dass die Maximalkraft beim Bankdrücken auf der operierten Seite minimal unter der der gesunden Seite bleibt, aber dies beeinträchtigt die Alltags- und Sporttauglichkeit kaum.

Fazit: Wenn du dich an die Anweisungen deines Chirurgs und Physiotherapeuten hältst und Geduld mitbringst, stehen deine Chancen hervorragend, dass die Pectoralis Major-Reparatur dir die volle Kraft und Beweglichkeit deines Arms zurückgibt.


Wichtige Pectoralis Major-Reparatur Ressourcen (Englisch)


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