Die orthopädische Genesung ist ein komplexer Prozess, der weit über die eigentliche Operation hinausgeht. Viele Patientinnen und Patienten glauben, dass die Rehabilitation erst mit der Physiotherapie startet. In Wahrheit beginnt sie unmittelbar nach der Operation – mit der ersten Wundkontrolle, der systematischen Schmerzüberwachung und der konsequenten Infektionsprävention. Eine strukturierte Nachsorge ist entscheidend, um Komplikationen zu vermeiden und die Heilung optimal zu unterstützen.

Unmittelbar nach dem Eingriff wird die Inzision regelmäßig auf typische Entzündungszeichen untersucht. Pflegefachkräfte dokumentieren alle acht Stunden den Zustand der Operationswunde. Dabei wird gezielt auf Rötung, Schwellung, Austritt von Sekret oder erhöhte Temperatur geachtet. Diese standardisierten Wundkontrollen dienen der frühzeitigen Erkennung von Komplikationen wie Infektionen oder Nachblutungen.
Vor jeder Operation wird ein sogenanntes Time-out-Protokoll durchgeführt. Es stellt sicher, dass die korrekte Schnittstelle, das betroffene Gelenk und die Patientendaten eindeutig überprüft werden. Dieses Sicherheitsverfahren verhindert Verwechslungen und sorgt dafür, dass der gesamte Eingriff nachvollziehbar dokumentiert ist.
Nach der Operation gilt: Treten starke Rötungen, zunehmende Schwellungen oder Fieber auf, muss das medizinische Team umgehend informiert werden. Nur so lassen sich Wundheilungsstörungen und Infektionen frühzeitig behandeln.

Schmerz ist ein zentraler Indikator für den Heilungsverlauf. In orthopädischen Kliniken wird er mithilfe einer numerischen Schmerzskala (NRS 0–10) erfasst. Die Pflege dokumentiert den Schmerzwert mindestens dreimal täglich. Ziel ist es, Schmerzen nicht nur zu lindern, sondern auch die frühzeitige Mobilität zu fördern.
Ein wichtiger Bestandteil der Nachsorge ist der sogenannte Pain-to-Move-Test. Dabei führt der Patient unter Anleitung kleine Bewegungen aus, um Verklebungen und Bewegungseinschränkungen zu verhindern. Werden starke Schmerzen oder Blockaden festgestellt, kann eine bildgebende Kontrolle durch Röntgen oder MRT am dritten und siebten postoperativen Tag notwendig sein.
Eine gute Schmerztherapie fördert nicht nur das Wohlbefinden, sondern reduziert auch das Risiko für chronische Schmerzen und Thrombosen durch Bewegungsmangel.

Postoperative Infektionen stellen eine der größten Herausforderungen in der orthopädischen Chirurgie dar. Besonders bei Gelenkoperationen, Implantaten oder Endoprothesen ist das Risiko erhöht. Deshalb gelten strenge Hygienestandards:
Diese Maßnahmen senken das Risiko für Wundinfektionen, Sepsis und Implantatversagen erheblich. Studien zeigen, dass standardisierte Infektionsprotokolle die Rate nosokomialer Infektionen um bis zu 60 % reduzieren können.

Neben der medizinischen Versorgung ist die Wahrung von Patientenrechten ein wesentlicher Bestandteil der Genesung. Jeder Patient hat Anspruch auf:
Sollte es zu Datenschutzverstoßen oder Behandlungsfehlern kommen, können sich Patienten an die Landesärztekammer oder die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) wenden. In schwerwiegenden Fällen unterstützt ein Fachanwalt für Medizinrecht bei der Durchsetzung von Schadensersatzansprüchen.

Ein strukturierter Entlassungsplan ist die Brücke zwischen stationärer Behandlung und ambulanter Nachsorge. Bereits am dritten postoperativen Tag beginnen die Vorbereitungen:
Ein funktionierendes Entlassungsmanagement sorgt dafür, dass die Therapie nahtlos fortgesetzt wird. Patientinnen und Patienten erhalten zudem eine Notfallnummer, unter der die Klinik rund um die Uhr erreichbar ist – insbesondere bei Warnzeichen wie zunehmender Rötung, Schwellung oder Thromboseverdacht.
Die postoperative Phase ist entscheidend für den langfristigen Heilungserfolg. Wer Wundkontrolle, Schmerzmanagement und Infektionsschutz ernst nimmt, schafft die besten Voraussetzungen für eine komplikationsfreie orthopädische Genesung. Gleichzeitig sollten Patienten ihre Rechte kennen und aktiv an ihrer Genesung mitwirken. Mit einem strukturierten Entlassungsplan und professioneller Betreuung gelingt der Übergang in den Alltag sicher und nachhaltig.
Analgetika: Schmerzstillende Medikamente, die je nach Wirkmechanismus zentral oder peripher wirken.
Antibiotikaprophylaxe: Vorbeugende Gabe von Antibiotika zur Vermeidung postoperativer Infektionen.
Endoprothese: Künstlicher Gelenkersatz, der dauerhaft im Körper verbleibt.
Nosokomiale Infektion: Im Krankenhaus erworbene Infektion, meist durch resistente Keime.
Pain-to-Move-Test: Funktionstest zur Einschätzung der Schmerzreaktion bei Bewegungen nach einer Operation.
Thrombose: Bildung eines Blutgerinnsels in einer Vene, das den Blutfluss behindert.
Time-out-Protokoll: Sicherheitsschritt im OP, der vor Schnittbeginn die korrekte Identität, Lokalisation und Eingriffsart bestätigt.
Verpasse keine neuen Stipendien, Unis & Tipps zum Auslandsstudium!