Das Chvostek Zeichen ist ein klassisches klinisches Untersuchungsmerkmal, das auf eine erhöhte neuromuskuläre Erregbarkeit hinweist. Es wird vor allem mit Hypokalzämie, also einem erniedrigten Kalziumspiegel im Blut, in Verbindung gebracht. Das Zeichen kann jedoch auch bei anderen Störungen auftreten, die den Elektrolythaushalt beeinflussen, wie Hypomagnesiämie oder Atemalkalose. Benannt ist es nach dem österreichischen Neurologen František Chvostek, der das Phänomen im 19. Jahrhundert erstmals beschrieb.
Im klinischen Alltag dient das Chvostek-Zeichen als einfach durchzuführende orientierende Untersuchung, um Hinweise auf Störungen des Kalziumstoffwechsels oder der neuromuskulären Erregbarkeit zu erhalten. Obwohl es kein hochspezifischer Test ist, kann es in Verbindung mit Laboruntersuchungen ein wertvolles diagnostisches Instrument darstellen.
Kalzium ist ein essentieller Elektrolyt mit zahlreichen physiologischen Funktionen. Es spielt eine zentrale Rolle bei:
Ein normaler Serumkalziumwert liegt bei 8,8 bis 10,4 mg/dl. Werte unterhalb dieser Grenze werden als Hypokalzämie bezeichnet. Eine solche Störung kann zu einer gesteigerten neuromuskulären Erregbarkeit führen, die sich in Symptomen wie Muskelzuckungen, Krämpfen oder sogar Krampfanfällen äußern kann.
Sinkt die Konzentration des ionisierten (freien) Kalziums im Blut, wird die Schwelle für die Depolarisation der Zellmembran herabgesetzt. Dadurch reagieren Nerven und Muskeln bereits auf geringe Reize mit einer Kontraktion. Diese übersteigerte Reizantwort ist die Grundlage für das Auftreten des Chvostek-Zeichens.
Der Neurologe František Chvostek (1835–1889) beobachtete erstmals, dass das Beklopfen einer bestimmten Gesichtsregion bei manchen Patienten unwillkürliche Muskelzuckungen auslöst. Dieses Phänomen wurde später als diagnostischer Hinweis auf Störungen des Elektrolythaushalts, insbesondere der Kalziumhomöostase, etabliert. Seitdem gehört das Chvostek-Zeichen zum Standardrepertoire neurologischer und internistischer Untersuchungen.
Ein positives Zeichen weist auf eine erhöhte neuromuskuläre Erregbarkeit hin. Es ist typisch, aber nicht spezifisch für Hypokalzämie. Mögliche Ursachen sind:
Die häufigste Ursache. Sie kann auftreten bei:
Ein Mangel an Magnesium kann die Freisetzung und Wirkung von Parathormon beeinträchtigen und so sekundär zu Hypokalzämie führen.
Bei einer respiratorischen Alkalose (z. B. infolge von Hyperventilation) bindet vermehrt Kalzium an Albumin. Dadurch sinkt die Konzentration des freien, physiologisch aktiven Kalziums.
Ein negatives Ergebnis schließt eine Hypokalzämie nicht sicher aus, insbesondere bei chronischen Veränderungen. Die Sensitivität des Tests ist daher begrenzt.
Das Chvostek-Zeichen ist ein einfacher, aber unspezifischer klinischer Test. Studien zeigen, dass bis zu 25 % gesunder Menschen ohne zugrunde liegende Störung ein positives Zeichen zeigen können. Daher sollte der Test niemals isoliert interpretiert werden.
Das Chvostek-Zeichen sollte stets im Kontext weiterer Befunde gewertet werden:
Da ein positives Chvostek-Zeichen auch bei gesunden Personen oder anderen Stoffwechselstörungen auftreten kann, sollten folgende Differenzialdiagnosen in Betracht gezogen werden:
Das Chvostek-Zeichen bleibt trotz seiner begrenzten Spezifität ein wertvolles klinisches Instrument zur schnellen Einschätzung der neuromuskulären Erregbarkeit. In Kombination mit laborchemischen und elektrophysiologischen Untersuchungen kann es wichtige Hinweise auf Hypokalzämie und verwandte Stoffwechselstörungen liefern. Ein negatives Zeichen schließt eine Hypokalzämie jedoch nicht aus – die Diagnose muss stets durch Serumkalziumbestimmungen bestätigt werden.
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