Der Naffziger Test, auch bekannt als Naffziger-Zeichen, ist ein klassisches klinisches Untersuchungsverfahren zur Beurteilung von Nervenwurzelkompressionen im Bereich der Hals-, Brust- und Lendenwirbelsäule. Er wurde nach dem US-amerikanischen Neurochirurgen Howard Christian Naffziger (1884–1961) benannt, der den Test in den 1940er-Jahren beschrieb. Ziel der Untersuchung ist die Provokation von Symptomen, die auf eine mechanische oder entzündliche Reizung einer Nervenwurzel hinweisen können.
Der Naffziger-Test wird in der neurologischen und orthopädischen Untersuchung eingesetzt, wenn der Verdacht auf eine radikuläre Symptomatik besteht. Typische klinische Hinweise sind:
Er dient als ergänzender Provokationstest neben anderen etablierten Verfahren wie dem Spurling-Test, dem Lasègue-Test oder dem Bragard-Zeichen.
Treten während der Kompression Schwindel, Benommenheit oder Sehstörungen auf, muss die Untersuchung sofort abgebrochen werden, da eine vorübergehende zerebrale Hypoxie drohen kann.
Ein positiver Naffziger-Test liegt vor, wenn die beschriebenen Symptome reproduzierbar auftreten, insbesondere:
Diese Befunde sprechen für eine mechanische Kompression einer Nervenwurzel oder für eine raumfordernde intradurale oder epidurale Struktur, z. B.:
Ein negativer Test schließt eine Nervenwurzelkompression jedoch nicht sicher aus, da Sensitivität und Spezifität begrenzt sind.
In einer Studie von Vroomen et al. (2000), die die Konsistenz von Nervenwurzelspannungstests bei Patienten mit Lumboischialgie untersuchte, zeigte sich das Naffziger-Zeichen als einer der konsistentesten klinischen Parameter (Konsistenz > 0,66). Das unterstreicht seinen diagnostischen Wert als ergänzendes Zeichen neben anderen Tests.
Trotz seiner historischen Bedeutung wird der Test in der modernen klinischen Praxis heute nur selten angewendet, da er invasiver und weniger spezifisch ist als alternative Untersuchungsmethoden. Bildgebende Verfahren wie MRT oder CT haben den Naffziger-Test weitgehend ersetzt, dennoch bleibt er ein interessantes Beispiel für die Entwicklung der neurologischen Untersuchungstechniken.
Bei einem positiven Naffziger-Test müssen folgende Ursachen differentialdiagnostisch bedacht werden:
| Test | Zielstruktur | Auslösendes Manöver | Aussage |
|---|---|---|---|
| Naffziger-Test | Nervenwurzel | Jugularvenenkompression + Husten | Radikulärer Schmerz bei Druckanstieg |
| Spurling-Test | Zervikale Nervenwurzel | Kopfextension + Lateralflexion + axialer Druck | Zervikale Radikulopathie |
| Lasègue-Test | N. ischiadicus | Passive Beinhebung in Rückenlage | Lumbale Nervenwurzelreizung |
| Bragard-Zeichen | N. ischiadicus | Dorsalflexion des Fußes nach Lasègue | Verstärkung der Ischiasbeschwerden |
Howard C. Naffziger war Professor für Neurochirurgie an der University of California, San Francisco (UCSF) und ein Pionier auf dem Gebiet der operativen Behandlung von Hirn- und Wirbelsäulenerkrankungen. Sein nach ihm benannter Test wurde 1940 erstmals beschrieben (Gird & Naffziger, Trans Am Neurol Assoc 1940;66:45–49). Die Idee beruhte auf der Beobachtung, dass ein kurzfristiger Druckanstieg im venösen System radikuläre Schmerzen verstärken kann.
Der Naffziger-Test ist ein historisch bedeutsamer, heute jedoch selten verwendeter Provokationstest zur Beurteilung einer Nervenwurzelkompression der Wirbelsäule. Seine Anwendung erfordert Erfahrung und Vorsicht, insbesondere wegen der potenziellen Risiken bei der Kompression der V. jugularis. Trotz seiner begrenzten praktischen Relevanz bleibt er ein wichtiger Bestandteil der klinischen Lehrgeschichte und illustriert die physiologischen Zusammenhänge zwischen intrathorakalem Druck und radikulärer Schmerzprovokation.
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