Der Roos Test, auch bekannt als Hand-up-Test oder Hocharm-Stresstest, ist ein klinisches Provokationsmanöver zur Diagnostik des Thoracic-Outlet-Syndroms (TOS). Dabei handelt es sich um eine neurovaskuläre Kompression im Bereich des oberen Thoraxausgangs, die zu Schmerzen, Parästhesien und Schwäche in der oberen Extremität führen kann. Der Roos-Test ist eines der am häufigsten verwendeten Verfahren, um eine solche Kompression des Plexus brachialis und der begleitenden Gefäße nachzuweisen.
Das Thoracic-Outlet-Syndrom bezeichnet eine Gruppe von Symptomen, die durch die Kompression neurovaskulärer Strukturen zwischen der oberen Thoraxapertur und der Axilla verursacht werden. Hauptsächlich betroffen sind:
Die Kompression kann an verschiedenen anatomischen Engstellen auftreten, unter anderem:
Durch Überkopfarbeiten, Fehlhaltungen, muskuläre Dysbalancen oder knöcherne Anomalien kann eine Einengung dieser Bereiche entstehen. Der Roos-Test dient dazu, eine solche Kompression dynamisch zu provozieren und symptomatisch nachzuweisen.
Der Roos-Test wird durchgeführt, um:
Er findet Anwendung in der orthopädischen, neurologischen und gefäßmedizinischen Diagnostik und dient häufig als Screening-Test bei Verdacht auf ein Thoracic-Outlet-Syndrom.
Der Patient wird sitzend oder in seltenen Fällen stehend gelagert. Beide Arme werden in folgende Position gebracht:
Diese Position ähnelt der Haltung beim „Hände hoch“-Signal, weshalb der Test umgangssprachlich auch als Hands-up-Test bezeichnet wird.
Bei der vaskulären Variante (auch Hyperabduktionstest oder EAST-Test – Elevated Arm Stress Test – genannt) wird zusätzlich der Radialispuls überwacht. Eine Abnahme oder das Verschwinden des Pulses während des Tests kann auf eine arterielle Kompression hinweisen.
Ein positiver Roos-Test liegt vor, wenn einer oder mehrere der folgenden Befunde auftreten:
Ein positiver Befund weist auf eine Kompression der neurovaskulären Strukturen im Bereich des Thoracic Outlet hin. Allerdings ist zu beachten, dass der Test nicht zwischen neurologischer und vaskulärer Ursache unterscheiden kann.
Die diagnostische Zuverlässigkeit des Roos-Tests ist in der Literatur umstritten. Studien zeigen eine hohe Sensitivität, aber eine variabel niedrige Spezifität, was auf eine erhebliche Zahl falsch-positiver Ergebnisse hinweist.
| Studie | Sensitivität | Spezifität | Bemerkung |
|---|---|---|---|
| Roos (1976) | – | – | Erstbeschreibung des Tests |
| Henni et al. (2019) | 0,62 | 0,66 | Signifikante mikrovaskuläre Veränderungen bei TOS-Patienten |
| Nord et al. (2008) | – | – | Hohe Rate falsch-positiver Ergebnisse |
| Plewa & Delinger (1998) | – | – | 77 % falsch-positive Resultate bei Gesunden |
Die Literatur berichtet von Sensitivitätswerten zwischen 0,52 und 0,84 und einer Spezifität von 0,30 bis 1,00. Diese große Streuung erklärt sich aus unterschiedlichen Patientenkollektiven, Testprotokollen und Interpretationskriterien.
Daher sollte der Roos-Test nicht als alleiniger diagnostischer Nachweis für ein Thoracic-Outlet-Syndrom herangezogen werden, sondern im Rahmen einer klinischen Gesamtbeurteilung und ergänzender bildgebender oder elektrophysiologischer Verfahren.
Der Roos-Test ist ein dynamisches Belastungsmanöver, das sowohl neurale als auch vaskuläre Strukturen beansprucht. Auch bei gesunden Personen kann die Haltung über drei Minuten zu Muskelermüdung und unspezifischen Beschwerden führen.
Wichtige Hinweise zur Durchführung:
| Test | Hauptstruktur | Provokationsmechanismus | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Roos-Test | Plexus brachialis, A. subclavia | Dynamische Kompression durch Armhebung | Belastungstest über Zeit |
| Adson-Test | A. subclavia, Plexus brachialis | Drehung des Kopfes und tiefe Inspiration | Erfasst v. a. Skalenuskompression |
| Wright-Test | A. subclavia | Hyperabduktion des Arms | Prüft subkorakoidale Engstelle |
Der Roos-Test gilt als empfindlichster Test zur Beurteilung des Thoracic Outlet, während der Adson- und der Wright-Test spezifischere Informationen über die Lokalisation der Kompression liefern können.
Trotz seiner begrenzten Spezifität ist der Roos-Test ein wertvolles Screening-Instrument, insbesondere in der initialen Untersuchung von Patienten mit:
In Kombination mit einer ausführlichen Anamnese, körperlichen Untersuchung und ggf. bildgebenden Diagnostik (z. B. Duplexsonographie, MRT, Angiographie) liefert der Test wertvolle Hinweise für die weitere Abklärung.
Neuere Studien untersuchen die mikrovaskulären Reaktionen während des Roos-Manövers mittels moderner Bildgebung und hämodynamischer Messmethoden. Henni et al. (2019) zeigten, dass bei Patienten mit TOS während des Tests signifikante Ischämien auftreten, die objektiv messbar sind. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass der Roos-Test – in Kombination mit instrumentellen Verfahren – ein objektives Diagnosetool werden könnte.
Darüber hinaus besteht zunehmendes Interesse an der standardisierten Dokumentation der Testergebnisse und der Abgrenzung zu anderen Kompressionssyndromen wie dem Karpaltunnelsyndrom (CTS) oder der zervikalen Radikulopathie.
Der Roos-Test ist ein einfach durchzuführendes, nicht-invasives und dynamisches Verfahren zur Beurteilung eines möglichen Thoracic-Outlet-Syndroms. Er erlaubt eine funktionelle Einschätzung der neurovaskulären Belastbarkeit im Bereich des Schultergürtels.
Trotz seiner hohen Sensitivität sollte der Test nicht isoliert interpretiert werden. Falsch-positive Ergebnisse sind häufig, insbesondere bei gesunden Personen oder bei alternativen Ursachen für Schulterschmerzen. In der klinischen Praxis dient der Roos-Test daher vor allem als Teil einer multimodalen Diagnostik, die durch weitere Tests und bildgebende Verfahren ergänzt werden sollte.
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